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Atheismus: Karl Marx und der Marxismus
Eine starke Verbreitung fand der Atheismus in den sozialistischen Ländern und Ideologien des 20. Jahrhunderts. In vielen kommunistischen Ländern war die Religion verboten oder nur unter Einschränkungen und Gängeleien geduldet. In der Sowjetunion wurden fast alle Kirchen und Klöster zu Lagerhallen, Ställen oder Fabriken umgewandelt. Die Ausübung von Religion auch im privaten Raum wurde bestraft. In der DDR waren die Kirchen zwar erlaubt, aber engagierten Jugendlichen und Kirchenmitgliedern wurden in ihrer Ausübung behindert und Pfarrer drangsaliert.
Auch wenn der Marxismus sich überall religionsfeindlich präsentiert (mit wenigen rühmlichen Ausnahmen) muss man sich die Position ihres Gründers genauer anschauen. Karl Marx (1818-1883) stammte aus einer assimilierten jüdischen Familie im katholischen Trier. Sein Vater war Rechtsanwalt und trat zwischen 1816 und 22 zum Protestantismus über, um im preußischen gewordenen Rheinland auch weiter als Advokat arbeiten zu dürfen. Auch die Kinder, darunter Karl, wurden 1824 protestantisch getauft, obwohl sowohl die Familie seines Vaters wie auch seiner Mutter aus bedeutenden Rabbinerfamilien stammten (=jüdische Theologen).
Karl Marx studierte Jura und Philosophie. Er arbeitete später als Journalist und Autor zahlreicher Bücher aus dem Bereich der politischen Ökonomie. Nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 emigrierte Marx 1849 nach London, wo er bis zu seinem Tod lebte. Bekannt wurde er durch sein 'Manifest der Kommunistischen Partei' und dem Werk 'Das Kapital'. Darin wird die Produktion aller materiellen Güter als Grundlage (Basis) der Gesellschaft beschrieben. Religion, Wissenschaft und Politik gehören nur zum 'Überbau', die die aktuellen Herrschaftsverhältnisse stabilisieren. Die Arbeitenden gehören dabei zur unterdrückten Klasse der Arbeiter und Bauern, die mit ihrer Hände Arbeit das Kapital der herrschenden Klasse (Bourgeoisie) sichern. Marx erkennt messerscharf, wie sich Politik und Kirche dem neuen und reichen Bürgertum anbiedern, und er spricht klar aus, dass diese das Elend der einfachen Leute billigend hinnehmen. In seiner Lehre sieht er nun eine notwendige Änderung der Produktionsverhältnisse in der klassenlosen kommunistischen Gesellschaft. Basis und Überbau werden darin eins und allen ist alles gemein (=kommun vgl. engl. common). Die Religion verliert darin seine Bedeutung und wird bedeutungslos, wenn alle das haben, was sie zum Leben brauchen. Und Gott? Religion ist für Marx nur Opium für das Volk. Gott ist für Marx wie bei Feuerbach (auf den er sich bezieht) nur eine Projektion, in der das unterdrückte und von sich selbst entfremdete Volk seine Wünsche und Sehnsüchte in ein Jenseits projiziert. Schauen wir nun etwas genauer in seine Gedanken:
Material:
Fragen:
- Glauben die Menschen nur an Gott, wenn es ihnen schlecht geht?
- Warum ist Religion gerade in armen Länder so stark?
- Stirbt die Religion in modernen Wohlstandsgesellschaften, wie Marx es voraus gesehen hat?
- Warum hat die Kirche sich nicht für die leidenden und unterdrückten Arbeiter eingesetzt?
- Ist die Bibel (Jesus und die Propheten) nicht selbst aber der Seite der Schwachen?
- Muss der Kommunismus zwangsläufig atheistisch gedacht werden?
Aufgaben:
- Bitte arbeitet zunächst die Darstellung zum Atheismus bei Karl Marx durch.
- Macht bitte wieder eine Tabelle zu folgenden Stichworten und schreibt euch dazu, was Marx damit meint:
Entfremdung des Menschen, Religion als Theorie dieser Welt, Seufzer der bedrängten Kreatur, Opium des Volkes, Ideologischer Überbau, Wahrheit des Diesseits, Religion und Protest. - Nehmt bitte Stellung zu folgendem Satz: „Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist.“
- Welche Kritikpunkte kann man Marx finden. Lest dazu den Abschnitt 'Kritik und Fragen an Karl Marx'.
Und hier geht's zur Übungsseite zu diesem Thema
Zum Weiterdenken:
- Dass Religion und Kirche die Gläubigen nicht nur tröstet, sondern auch für sie einstehen und Partei ergreifen, das haben vor allem Priester aus Lateinamerika, Afrika oder Asien verstanden. In der Theologie der Befreiung kämpfen öffentlich für die Rechte der Landarbeiter, gegen Kinderarbeit und den rücksichtslosen Reichtum von Grund- oder Fabrikbesitzern. Damit zeigen sie auch, dass Religion durchaus kämpfen kann für die Rechte im DIESSEITS und nicht erst im JENSEITS. Übrigens ist das ja schon die Botschaft der Bibel, des alten und neuen Testamentes, wie wir gesehen haben.
- Einer der Menschen die sich deutlich und öffentlich für die Armen in seinem Land eingesetzt hat und auch Partei ergriffen hat gegen ungerechten Reichtum und das korrupte Establishment war Oscar Romero. Der katholische Erzbischof von San Salvador machte sich dadurch unbeliebt und wurde als Marxist beschimpft. Am 24. März 1980 wurde er von Todesschwadronen am Altar seiner Kirche bei der Feier der Messe erschossen. Rücksichtsloser und feindseliger kann man nicht gegen die ernstgemeinte christliche Botschaft vorgehen. Romero wurde inzwischen von der katholischen Kirche als Märtyrer heilig gesprochen. Mehr über Romero könnt ihr in einer schönen Dokumentation mit Filmen und Texten auf der Seite von Adveniat anschauen.
- Auch marxistische Denker erkennen zum Teil die Bedeutung der Religion für den Kampf gegen Ungerechtigkeit. Als Beispiel hierfür kann der tschechische Philosoph Milan Machovec genannt werden, der sich noch mutig in der Zeit des Sozialismus gegen die ideologische Verteufelung des Christentums stellte und die inhaltlichen Verbindungen zwischen dem Christen und Marxistnen aufwies. Seine Schriften wurden in Ost und West häufig als Beleg dafür gesehen, dass die atheistische Haltung vieler Marxisten einer kritischen Revision unterzogen werden muss. Milan Machovec auf Wikipedia
„Die Lehre Jesu setzte die Welt in Brand nicht wegen irgendeiner Überlegenheit des theoretischen Programms, sondern weil er selbst identisch war mit diesem Programm“.(Milan Machovec, 'Jesus für Atheisten')


