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religion_wg12_wirklichkeiten:kreationismus

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Streit um die Evolutionstheorie

Schon seit dem Erscheinen der Veröffentlichungen von Charles Darwin (1809-1882) ist die Kritik an seiner Evolutionstheorie nicht verhallt. Obwohl diese heute als wissenschaftlich fundiert und in der Praxis moderner Biotechnolgie als Grundlage anerkannt ist, wird sie doch immer wieder in Frage gestellt. Wissenschaftliche Einwände an der Evolutionstheorie sind sicher berechtigt und teilweise notwendig. Und obwohl alle großen christliche Kirchen in Deutschland die Evolutionstheorie als wissenschaftliche Theorie anerkennen (für die evangelische Kirche die EKD), wird sie jedoch vor allem in evangelikal-fundamentalistischen Kreisen nach wie vor bestritten.

Vor allem in den Vereinigten Staaten und den angelsächsischen Ländern ist ein heftiger Streit um die Evolutionstheorie entbrannt, der zu einem schweren Zerwürfnis zwischen Wissenschaftlern und frommen Kreisen geführt hat. Die Wissenschaft gerät dadurch in die Defensive und reagiert aggressiv in Form eines zunehmend atheistisch geprägten Materialismus, der wissenschaftlich und auch philosophisch gesehen nicht zwangsläufig ist. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass es in den USA keinen staatlichen Religionsunterricht gibt, der zu einer reflektierten Behandlung des Themas verpflichten würde. Und selbst für die Naturkunde und Biologie gibt es keine festen und sicheren Lehrpläne. Auch hier sieht die Situation in Deutschland ganz anders aus und drängt die fundamentalistischen Positionen aus dem öffentlichen und kirchlichen Bereich hinaus in private Kreise und Institutionen, wie freie Missionswerke.

Folgende Positionen werden in dieser Auseinandersetzung angenommen:

  • Der Kreationismus ist die älteste der verschiedenen Positionen. Er verwirft eine evolutionäre Entwicklung der Arten und geht davon aus, dass alle Tiere und Pflanzen gleichzeitig zum Zeitpunkt der Schöpfung erschaffen wurden. Die Ähnlichkeit vieler Tierarten werden mit dem einheitlichen Schöpferwillen erklärt. Das Alter der Schöpfung wird dabei nur auf wenige tausend Jahre geschätzt. Ausgestorbene Tiere gehörten früher zum Artenreichtum mit dazu. Auch widersprechen dieser Deutung religiöse Vorstellungen nicht, im Gegenteil, sie werden gerade in christlich-, jüdisch- oder islamisch geprägten Kreisen als gängige Version gepflegt.
  • Deutlich wissenschaftlicher gibt sich die Vorstellung vom Intelligent Design. Auch wenn sie eigentlich nur eine Variante des Kreationismus ist, erscheint sie durchaus plausibler. Ausgehend von der Komplexität der Schöpfung (etwa der Augen oder der Federn), ihrer Schönheit aber auch ihrer Zielgerichtetheit der Natur (Teleologie von telos = Ziel) widerruft man die Vorstellung, dass dies allein ein Resultat des Zufalls oder der Selbstorganisation sein kann. Hinter allen Wundern der Natur und allen natürlichen Prozessen lässt sich viel mehr ein intelligenter Plan entdecken, der nicht zufällig sein kann sondern auf ein intelligentes Design hinweist. Dabei muss nicht unbedingt wie im Kreationismus auf Gott oder den Schöpfer hingewiesen werden aber es ist keine Frage wer damit gemeint ist.

  • Gegen die massive Infragestellung der Evolutionstheorie aus fundamentalistischen Kreisen (die zum Teil eine Mehrheit der Bevölkerung in Umfragen teilen) formiert sich in den Reihen von Naturwissenschaftlern eine neodarwinistische Position, die auch gerne als Soziobiologie bezeichnet wird. Vor allen der englische Biologe Richard Dawkins vertritt darin einen atheistisch-materialistischen Naturalismus, der davon ausgeht, dass alles in der Natur allein auf natürlichem Wege durch die bekannten Faktoren (Zufall, Zeit, Mutation und Selektion, 'Suvival Of The Fittest') von selbst entstanden ist. Grundlage dafür ist eine soziobiologische Veranlagung, die Dawkins in seinem bekannten Buch 'Das Egoistische Gen' beschrieben hat. Über die rein wissenschaftliche Auseinandersetzung hinaus greift Dawkins in seinem Buch 'Der Gotteswahn' die theistische Position scharf an und überschreitet so den rein wissenschaftlichen Diskurs. Ähnlich reagierten auch andere Wissenschaftler auf die Forderung evangelikaler Kreis, den Kreationismus in die Lehrpläne der staatlichen Schulen in den USA aufzunehmen. Sarkastisch-polemisch argumentierten sie, man können dann ebenso auch ein 'Fliegendes Spaghetti-Monster' als Urheber der Schöpfung sehen, welches genauso wenig fassbar sei wie der Gott der Kreationisten.
  • Unabhängig von der tendenziell manipulativen Absicht fundamentaler Kreise und entgegen der dogmatischen Verteidigung der Theorie Darwins gibt es jedoch auch in neuen wissenschaftlichen Positionen Ergebnisse, die die Gültigkeit der Voraussetzungen der Evolutionstheorie in Frage stellen. Dabei wird immer wieder auf die klassischen Probleme der Evolutionstheorie hingewiesen, die als nicht gelöst gelten können und auf mögliche Fehler in der Theorie hinweisen, die sich durch ihre materialistisch-naturalistische Haltung eher noch verschärfen. Dabei werden immer wieder Fragen der Komplexität, die sprunghaften Entwicklung der Arten ohne erkennbare Übergänge und die statistische Unmöglichkeit der Entwicklung allein durch den Zufall betont. Diese Ansätze sind durchaus vielversprechend und deuten in Kombination mit der Quantentheorie (verschränkte biologische Systeme) auf eine Modifaktion der Evolutionstheorie hin.

Material

Fragen

  1. Und wenn doch alle Lebewesen auf einmal da waren?
  2. Gibt es vielleicht wirklich so etwas, wie einen großen Plan?
  3. Ist es nicht vorstellbar, dass die ganze Evolution nach Gottes Design geformt wurde?
  4. Braucht es überhaupt einen Schöpfer um die Welt zu erklären?
  5. Welchen Unterschied macht es, Gott, den Zufall, den intelligenten Designer oder das Spaghettimonster für die Schöpfung verantwortlich zu machen?
  6. Was passt nicht an der Evolutionstheorie? Suche selbst nach Kritikpunkten.

Aufgaben

Bitte bearbeite bis nächster Woche folgende Aufgaben:

  1. Bitte lese den Text 'Was ist dran am Kreationismus?' und setze dich kritisch mit den Thesen auseinander.
  2. Für Experten: Schau dir die 'Zwölf Basissätze der Evolution' an und überlege dir, was diese Thesen mit dem Kreationismus zu tun haben.
  3. Warum lehnt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sowohl den Kreationismus als auch das Intelligent Design ab?
  4. Welche Position nimmt eine gute theologische Begründung zu diesen Themen ein?

Deine Ergebnisse kannst du wieder auf der Lösungsseite zu diesem Thema eintragen.

Zum Weiterdenken

  • Das Uhrmacher-Gleichnis: Wenn wir in der Natur eine Uhr finden, gehen wir davon aus, dass sie von einem intelligenten Wesen (Uhrmacher) angefertigt wurde. Daraus folgt, so william Paley (1743-1805), dass auch hoch komplexe Lebewesen von einem Designer geschaffen worden sein müssen: „Design must have a designer.“
  • Die materialistische Evolutionstheorie bietet keine Erklärung für eine evolutionäre 'Notwendigkeit' für eine Vielfalt ähnlicher Säugetiere wie Nager mit 1999 Arten, Fledertiere mit 977 Arten, 239 Raubtiere und 256 Primatenarten. Es gibt insgesamt 28 verschiedene Säugetierordnungen, also Raubtiere, Beuteltiere, Nagetiere, Hasentiere usw. Die übliche Erklärung ist, dass sich alle Tierstämme verschiedenen Umweltbedingungen angepasst haben und entsprechende Nischen auf der ganzen Erde besetzten. Dabei stellt sich eben die Frage, wozu das Ganze? Und darüber hinaus: Hat man je ein 'Ursäugetier' gefunden, von dem all anderen abstammen? (Bruno Martin)

  • Der Genfer Molekularbiologe Andreas Wagner hält es für ausgeschlossen, dass die Evolution allein durch zufällige Mutationen so etwas komplexes wie das Auge eine Wanderfalken hervorbringen kann. Mit computergesteuerten Simulationen kommt er mit seinem Team zu der Überzeugung, dass weitere Faktoren im Spiel sind, die eine zielgerichtete Entwicklung wahrscheinlicher machen.

  • Dass auf molekularer Ebene ganz andere Gesetze gelten als im 'normalen Leben' ist seit der Entdeckung der Quantentheorie bekannt. Dass dies auch für die Biologie gelten muss ist einer der neueren Ansätze, die Quantenbiologie genannt wird. Nur auf molekularer Ebenen kommt es zu Mutationen - und die geschehen unter den Bedingungen der Quantentheorie als offener und kreativer Prozess, der eher mit Wahrscheinlichkeiten immer neue Möglichkeiten 'ausprobiert' als der planlose Zufall.
religion_wg12_wirklichkeiten/kreationismus.1593672532.txt.gz · Zuletzt geändert: 2021/01/14 19:21 (Externe Bearbeitung)