Das Leben des Anselm von Canterbury
Geburt und Herkunft:
Anselm von Canterbury wurde 1033 in Aosta, im heutigen Italien, geboren. Er entstammte einer wohlhabenden Adelsfamilie und genoss eine gute Ausbildung.
Frühes Leben und Konversion:
In seiner Jugend führte Anselm ein weltliches Leben. Mit 23 Jahren jedoch erlebte er eine tiefe innere Umkehr und wandte sich der Religion zu. Er zog nach Frankreich und trat im Jahr 1060 in die Benediktinerabtei Bec ein.
Mönch und Gelehrter:
Anselm stieg schnell in der Hierarchie der Abtei Bec auf und wurde 1076 zu deren Abt gewählt. Unter seiner Führung entwickelte sich die Abtei zu einem bedeutenden Zentrum der Gelehrsamkeit. Anselm selbst verfasste zahlreiche philosophische und theologische Schriften, die ihn zu einem der einflussreichsten Denker seiner Zeit machten.
Erzbischof von Canterbury:
1093 wurde Anselm zum Erzbischof von Canterbury, dem höchsten geistlichen Amt in England, berufen. In dieser Position geriet er in Konflikt mit dem englischen König Wilhelm II. über die Frage der kirchlichen Unabhängigkeit. Anselm musste zweimal ins Exil gehen, kehrte aber schließlich 1100 nach England zurück und konnte seine Autorität als Erzbischof durchsetzen.
Philosophisches und theologisches Werk:
Anselms philosophische und theologische Schriften befassen sich mit einer Vielzahl von Themen, darunter Gottesbeweise, freier Wille, Prädestination und die Beziehung zwischen Glaube und Vernunft. Sein berühmtestes Werk ist das „Proslogion“, in dem er den ontologischen Gottesbeweis formuliert, der die Existenz Gottes aus seiner Definition heraus zu folgern versucht.
Tod und Vermächtnis:
Anselm starb am 21. April 1109 in Canterbury. Er wurde 1163 von Papst Alexander III. heiliggesprochen und gilt als einer der bedeutendsten Kirchenväter des Mittelalters. Sein Werk hat die Philosophie und Theologie nachhaltig geprägt und ist bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.
Der ontologische Gottesbeweis kann folgendermaßen zusammengefasst werden:
- Definition Gottes: Wir definieren Gott als das „größte denkbare Wesen“.
- Eigenschaften des größten denkbaren Wesens: Ein größtes denkbares Wesen muss alle positiven Eigenschaften besitzen, die man sich vorstellen kann.
- Existenz als Eigenschaft: Existenz ist eine positive Eigenschaft.
- Folgerung: Daher muss das größte denkbare Wesen existieren.
Kritik des ontologischen Gottesbeweises:
Der ontologische Gottesbeweis wurde im Laufe der Jahrhunderte stark kritisiert. Ein zentraler Punkt der Kritik ist, dass die Existenz keine Eigenschaft im selben Sinne ist wie andere Eigenschaften. Etwas kann alle positiven Eigenschaften besitzen, die man sich vorstellen kann, und trotzdem nicht existieren.
Wichtige Werke:
Proslogion Monologion Cur Deus Homo? (Warum Gott Mensch wurde?) De libero arbitrio (Über den freien Willen) De concordia rationis et voluntatis (Über die Übereinstimmung von Vernunft und Willen)
Quellen:

