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philosophie_tg13_23-24:anselm_-_der_ontologische_gottesbeiweis

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Anselm war ein Philosoph und Theologe des 11. Jh., geboren in Italien, gestorben in England, Canterbury, wo er als Erzbischof wirkte – daher Anselm von Canterbury. Er war überzeugt, dass sich die Existenz Gottes allein durch die Vernunft beweisen lasse.

Argumentation bei Anselm beruht auf zwei Prämissen. Erstens: Gott ist das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Zweitens: Dinge, die im Geist gedacht werden können, kann es auch in Wirklichkeit geben. Daraus folgt: Wenn Gott das ist, worüber hinaus nicht Größeres gedacht werden kann, muss er eines derjenigen denkbaren Dinge sein, die sowohl im Geist gedacht werden können, als auch in Wirklichkeit existieren, denn sonst wäre Gott ja kleiner als all die anderen denkbaren Dinge, für die eben beides gilt. Ergo: Gott muss existieren – im Geist, und in der Wirklichkeit.

Dieser Beweis findet sich in drei sehr kurzen Kapiteln seines Werkes Proslogion, von denen hier das erste vollständig wiedergegeben wird:

„Herr, der du dem Glauben die Einsicht verleihst, verleih mir also, daß ich, soweit du es für nützlich erachtest, verstehe, daß du bist, wie wir glauben, und das bist, was wir glauben! Und zwar glauben wir, daß du etwas bist, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Oder existiert etwa demnach ein solches Wesen nicht, weil der Tor in seinem Herzen sprach: Es existiert kein Gott? Aber gerade auch der Tor, wenn er eben das vernimmt, was ich aussage als etwas, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, versteht gewiß das, was er vernimmt; und was er versteht, ist in seinem Verstande auch wenn er nicht versteht, daß es existiert. Denn es ist eines, daß etwas im Verstande ist, ein anderes, zu verstehen, daß etwas existiert. Wenn nämlich ein Maler zuvor denkt, was er zu schaffen beabsichtigt, hat er zwar im Verstande, versteht aber noch nicht, daß existiert, was er noch nicht geschaffen hat. Wenn er aber bereits gemalt hat, hat er sowohl im Verstande als er auch versteht, daß existiert, was er bereits geschaffen hat. Also sieht auch der Tor als erwiesen an, daß etwas, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, zumindest im Verstande ist, weil er das, wenn er es vernimmt, versteht und weil alles, was verstanden wird, im Verstande ist. Und gewiß kann das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, nicht allein im Verstande sein. Denn wenn es auch nur allein im Verstande ist, kann gedacht werden, daß es auch in Wirklichkeit existiert, was größer ist. Wenn also das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, allein im Verstande ist, ist eben das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, eines, über das hinaus Größeres gedacht werden kann. Das aber ist doch unmöglich der Fall. Es existiert also ohne Zweifel etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, sowohl im Verstande als auch in Wirklichkeit.“ Anselm von Canterbury: Proslogion, S. 51 f.

philosophie_tg13_23-24/anselm_-_der_ontologische_gottesbeiweis.1702984762.txt.gz · Zuletzt geändert: 2023/12/19 12:19 von ronja.baumann