Am 1. November 1755 zerstörte ein verheerendes Erdbeben die portugiesische Hauptstadt Lissabon. In einem Graben auf dem Meeresboden im Atlantik vor der Küste kam es zu einem äußerst starken Seebeben. Die Erschütterung war auch in der Stadt Lissabon heftig zu spüren. Zahlreiche Gebäude stürzten ein und begruben die Bewohner unter sich. Am Morgen des Feiertages befanden sich viele Menschen gerade in den Kirchen und wurden durch die einstürzenden Gewölben erschlagen. Andere bereiteten zuhause das Essens zu. Die vielen offenen Feuer führte durch das Erdbeben schnell zu einer gewaltigen Feuersbrunst. Und zu allem Unglück kam noch ein gewaltiger Tsunami auf die Stadt zu, der die Unterstadt durch seine Flutwelle verwüstete, die durch das Seebeben ausgelöst wurde. (vgl. dazu Erdbeben von Lissabon in Wikipedia)
Das Ereignis erschütterte damals ganz Europa. Überall war man betroffen vom Ausmaß des Unglücks. Und schnell verbreitete sich die Frage, wie Gott, der doch gütig und liebend ist, so etwas zulassen konnte. Den zermürbenden Vorwürfen gegenüber der Gottesvorstellungen (z.B. Voltaires bissige Satire) stellten sich Denker wie der Philosoph Leibniz entgegen mit seiner Schrift Essais de Théodicée. Die Theodizee sollte das Handeln Gottes rechtfertigen (theos = Gott und dikein = rechtfertigen - aus dem altgriechischen) und es in ein rechtes Licht stellen. Auch wenn Leiniz' Idee von der 'besten aller möglichen Welten' (s.u.) nicht direkt überzeugen mag, begründete seine Argumentation eine bis heute andauernde Diskussion, die bei jedem neuen Unglück wieder neu auftritt (z.B. beim verheerenden Tsunami vor Thailand und Indonesien an Weihnachten 2004).
Die Frage nach der Herkunft des Bösen und dem Handeln Gottes ist natürlich viel älter als die Diskussion rund um die Theodizee. Schon das biblische Buch Hiob behandelt das Thema ausführlich im Alten Testament. Und auch die Schriftsteller und Philosophen der klassichen Antike setzten sich damit auseinander, etwa Epikur oder Laktanz. Wir werden diese Ansätze in das Thema mit einbeziehen.
»Gott ist ohnmächtig und schwach in der Weltund gerade und nur so ist er bei uns und hilft uns.«