Wer ist Gott? Und vor allem, wie ist er? Und wenn ich ihn mir nicht vorstellen darf, mir also kein Bildnis von ihm machen soll (vgl. 10 Gebote), wie soll ich dann von ihm reden. In der Philosophie und Theologie gibt es klassische Begriffe, mit denen wir die Eigenschaften Gottes beschreiben. Schon in der Vorstellung der Alten Griechen sind Götter unsterblich, mächtiger als alle Menschen und lassen sich durch uns nur bedingt beeinflussen. In der klassischen Philosophie entstand daher die Vorstellung von der Unbeweglichkeit Gottes und seiner Leidensunfähigkeit (apatheia).
Biblisch gesehen ist Gott noch stärker als in der greichischen Vortsellung der Welt enthoben. Er ist ewig und als Schöpfer von der Welt des Geschöpflichen unterschieden. Er bestimmt zwar das Geschick der Menschen, doch sein Ratschluss bleibt unergründbar. Gott kennt zwar menschliche Gefühle, doch seine Liebe, seine Gerechtigkeit oder auch sein Zorn übertrifft alle menschlichen Regungen. Welche Eigenschaften können wir deshalb Gott zumessen und welche Aussagen sind letztlich legtim?
Der bekannte Theologe Wilfried Härle aus Heidelberg vertritt in seiner Dogmatik die Auffassung, dass Gott nach christlichem Verständnis vor allem als Liebe gesehen werden muss. Alle anderen Eigenschaften, gerade auch die schwierigen, müssen sich dann daraus ableiten lassen. Schiwerigkeiten hat Härle - wie viele andere moderne Theologen auch - vor allem mit der Allmacht. Denn, wenn Gott alles kann, warum verhindert er dann nicht all das Böse und Lieblose, das in unserer Welt geschieht?