Der moderne Atheismus ist ohne den Materialismus und den Rationalismus nicht denkbar. Zwar gab es auch schon vor der Aufklärung Denker, die an Gott zweifelten (oder auch verzweifelten, siehe Hiob). Und natürlich gab es auch schon immer Menschen, die sich von der Religion abwandten oder die bestehende kritisierten. Schon zu Sokrates Zeiten gab es den Vorwurf der Gottlosigkeit, und auch in der Bibel findet sich die Verurteilung der Gottlosen und Frevler (lies ruhig mal Psalm 37!)
Doch in keiner modernen Religion tritt der Atheismus so deutlich zu Tage wie im neuzeitlichen Christentum (und dort vor allem im Protestantismus). Fast scheint es so, als ob der „Tod Gottes“ durch den Tod des Gottessohnes am Kreuz erst denkbar wurde. Jedenfalls sind viele moderne Atheisten selbst erst durch die Auseinandersetzung mit ihrer frommen christlichen Herkunft zu Atheisten geworden:
Feuerbach wollte ursprünglich Pfarrer werden und studierte ab 1823 in Heidelberg Theologie.
Nietzsche stammt aus einem Pfarrhaus und verbrachte seine Schulzeit im theologischen Seminar von Schulpforta.
Und auch unter Atheisten gibt es Unterschiede: Generell unterscheidet man zwischen
Praktischem Atheismus: er ist sehr weit verbreitet aber wenig reflektiert. Er ist sehr vom Lebensstil bestimmt in einer modernen säkularisierten Welt. Gott kommt in dieser technisierten und von den Naturwissenschaft bestimmten Welt nicht mehr vor.
Agnostizismus: Agnostiker leugnen die Existenz Gottes nicht unbedingt - halten sie aber weitgehend aus ihrem Weltbild heraus. Da man die Nichtexistenz Gottes genauso wenig beweisen kann wie seine Existenz klammern sie diese aus ihrem modernen, materialistisch geprägtem Weltbild aus. Das Wort kommt von nicht-wissen, wir wissen nicht, ob es Gott gibt, aber wir glauben auch nicht an ihn.
Der theoretische Atheismus: geht grundsätzlich davon aus, dass es keinen Gott gibt. Mit philosophischen und wissenschaftlichen Argumenten wird versucht die Existenz Gottes zu leugnen. Echte Atheisten (und das sind die wenigsten) verneinen die Existenz Gottes und versuchen ganz ohne jeden Bezug zu einer höheren Macht zu leben.
Oft wird auch vom Nihilismus gesprochen: Atheisten sind aber nicht zwangsläufig Nihilisten. Denn der Nihilismus (also die Verneinung aller bisherigen Werte und Erkenntnisse), wie er z.B. von Friedrich Nietsche vertreten wurde, geht davon aus, dass es keinen Sinn oder Werte oder Erkenntnisse gibt, die von sich aus gelten. Der Mensch muss diese selbst finden und für sich selbst definieren.