Zwischenergebnis

Das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft ist ein langer wechselseitiger Prozess, der sich über viele Jahrhunderte hinzieht. Während der Glaube vor allem darauf abzielt, die Welt als ganzes zu sehen richtet die Naturwissenschaft ihren Blick auf einzelne Prozesse, die erst langsam, nach und nach ein Bild des ganzen ergeben. Dabei bedingen sich beide gegenseitig. Die Betrachtung der Welt als etwas Geschöpfliches ist aus der jüdisch-christlichen Weltsicht der Bibel entstanden. Gleichzeit verändert das genaue Hinschauen auf die Geheimnisse dieser Welt die Art und Weise wie wir die Welt sehen. Weltbilder wandeln sich stets und der Übergang von einem zum anderen läuft nicht immer ohne Konflikte ab. Letztlich verändern neue Erkenntnisse auch die Art zu Glauben, was wieder einen neuen Blick auf das Ganze ermöglicht.

1. Fassen wir die bisherigen Ergebnisse noch einmal kurz zusammen

Bitte bearbeitet dazu die folgenden Fragen auf dem beigefügten Arbeitsblatt und schickt dieses bitte ausgefüllt per Mail zurück an mich.

  1. Was ist Wirklichkeit?
  2. Schöpfung in der Bibel (Genesis 1) - die wichtigsten Stichworte
  3. Weltbilder im Wandel - Beschreibe den Übergang von geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild
  4. Galileo Galilei - Steckbrief
  5. Methode der Wissenschaft - Warum ist die moderne Wissenschaft so erfolgreich?

2. Lösungen der bisherigen Aufgaben

Hier findet ihr nun ein paar Auflösungen zu den Aufgaben und Fragen der vergangenen Einheiten.

BITTE LEST DIESE AUFLÖSUNGEN NUR, WENN IHR DIE AUFGABEN SCHON BEARBEITET HABT!

1. Glauben und Wissen

1.1 Die Wortfelder: Glauben und Wissen scheinen zwei unterschiedliche Grundhaltungen zu bezeichnen. Wissen hängt mit GEWISSHEIT zusammen, Glauben eher mit einer gewissen Unsicherheit; deshalb gehört der Zweifel immer zum Glauben, der seine Grundhaltung aber aus dem VERTRAUEN gewinnt. Beide Felder überschneiden sich aber im Bereich der Gefühle und Überzeugungen.

1.2 Dreieck: Ist das nun ein Dreieck oder nicht? Nein, es sieht nur so aus, es sind angeschnittene Punkte und Linien in Winkeln angeordnet. Aus den genannten Elementen bildet ERST UNSER GEHIRN Dreiecke. Es ist gewohnt aus minimalen Informationen (z.B. nachts, wenn wir kaum etwas sehen) ganze Bilder zu machen. Wahrscheinlich sind alle Bilder und Eindrücke, die uns als sicheres Wissen gelten, nur SYNTHETISCHE Bilder, also im Gehirn zusammen gesetzte. Ob unsere Welt wirklich so ist, können wir daher bezweifeln.

1.3 Fleck: Das Bild stammt aus einem Buch des deutschen Gehirnforschers Hüther. Es könnte eine Frau im Kleid, einen Wasserfall, eine Stichflamme oder gar zwei Gesichter gegenüber darstellen (Danke Ann-Kristin!). Doch in Wirklichkeit ist es ein Möwenschiss auf dem Asphalt. Das ist alles. Wir sehen, wie unser Gehirn aus der wirren Anordnung von hellen und dunklen Stellen ein plastisches Bild zu bilden versucht. Jeder sieht dabei etwas anderes. Aber das wirkliche Bild sehen wir erst, wenn wir WISSEN was es ist.

1.4 Kuh: Auch bei diesem Bild sehen wir alles mögliche. Am Ende ist es eine Kuh, die uns anschaut. Wenn wir die Kuh einmal erkannt haben, sehen wir nichts mehr anderes. Wir sehen nur was wir Wissen.

1.5 Optische Täuschungen: hier eine Vielzahl von Beispielen, die uns deutlich zeigen: unsere Sinne können uns leicht täuschen. Ich glaube nur was ich SEHE ist kein guter Ratgeber. In manchen Fällen kann man sogar zwei Dinge gleichzeitig sehen im Bild (junge Frau - alte Frau, Eskimo oder Indianer). Interessant: die einen sehen dies zuerst, die anderen das andere.

1.6. Konstruktivismus: Wie unser Gehirn zu Bildern kommt beschreibt der Konstrutivismus. Da habe ich noch ein Arbeitsblatt dazu:

2. Weltbilder

2.1 Weltbilder in der Geschichte: Weltbilder wandeln sich in der Geschichte mit sich verändernden Erkenntnissen. Letztlich wird es nie ein festes Weltbild geben. Auch das Weltbild der Bibel ist zeitlich bedingt durch das altorientalische Weltbild. Etwas ganz anderes ist jedoch die Kennzeichnung der Welt als Schöpfung Gottes. Doch dazu kommen wir noch später. Die richtige Zuordnung der Bilder lautet: Bild 1 - Das Weltbild der Griechen; Bild 2 - Das Weltbild im Mittelalter; Bild 3 - Das Weltbild im 16. und 17. Jahrhundert; Bild 4 - Das altorientalische Weltbild; Bild 5 - Das Weltbild des Alten Ägypten und des Alten Orient (Dank an Erik Deuschle)

2.2. Altorientalisches Weltbild: Diese Sicht der Welt entspricht ganz dem, was wir als Menschen wahrnehmen und einfach nur glauben, was wir sehen! Die Erde ist ein flaches Rund (so sehen wir das von einem Berg), der Himmel wölbt sich wie ein Zelt darüber (das sogenannte Firmament), die Scheibe ist begrenzt durch das Meer (wir kommen immer dahin) und die Sonne zieht über das Firmament und dreht sich um unsere Welt (was macht sie eigentlich Nachts? Die Ägypter meinten, sie ziehe auf einem Sonnenschiff über den dunklen Ozean der Nacht). Diese Sicht ist nicht so einfach zu widerlegen. Deshalb hat es sich auch so lange gehalten. Hier ein paar klassische Punkte, es zu verändern:

  1. Das Schiff versinkt langsam hinter dem Horizont des Meeres, denn es folgt der Oberfläche einer Kugel.
  2. Der Horizont ist rund, das erkennen wir aus großer Höhe, z.B. aus dem Fenster des Flugzeugs in 12.000 m Höhe.
  3. Die Erde ist eine Kugel: wenn wir nach Westen segeln kommen wir irgendwann von Osten wieder zuhause an.
  4. Die Erde dreht sich um die Sonne: dafür stehen z.B. die Jahreszeiten als Anhaltspunkt.

Es brauchte jedoch viele einzelne Beobachtungen, um das was jeder sieht durch etwas anderes abzulösen, was wir dann erst sehen, wenn wir dies wissen. Heute lernen Kinder dies schon zu sehen, obwohl wir es nicht immer sehen…

2.3 Flat Earth: Eure Briefe haben mich sehr amüsiert. Danke! Aber es ist ernst. Die Reise durch die Dimensionen ist ein spannendes Thema. Ein Klassiker dafür ist die satyrische Betrachtung „Flatland“ von Edwin Abbott Abbott, die dem einseitigen viktorianischen Denken ein vielseitiges mehrdimensionales Denken gegenüber hält.

3. Biblischer Schöpfungsbericht

3.1 Sieben-Tage-Schema:

Tag Was entsteht hier? Was erfüllt den Raum? Tag
1. Tag Licht/ Hell und dunkel Tag & Nacht, Sonne Mond & Sterne 4. Tag
2. Tag Himmel/ Oben und unten / Feste zwischen dem Wasser Tiere im Wasser und in der Luft 5. Tag
3. Tag Erde / Flüssiges und Festes / Land und Pflanzen Landtiere & Mensch 6. Tag
7. Tag Ruhetag

Wir sehen: der Bericht aus Gen1 entfaltet Schritt für Schritt das altorientalische Weltbild. Gott schafft den Lebensraum (1-3) und das Leben darin (4-6) allein durch sein ordnendes Wort. Dieses trennt dann die Chaoselemente (Dunkelheit, Wasser, Ozean) und ordnet sie an. Die sieben Tage erinnern an die sieben Tage unserer Woche. Die Schöpfung wiederholt sich so jeden Tag (creatio continua) in unserem schöpferischen Handeln.

3.2 Enuma Elish: Der Bericht aus Gen1 entstand höchstwahrscheinlich im babylonischen Exil. Der alte Schöpfungsmythos Enuma Elish aus dem Gilgamesch-Epos wurde dort feierlich jedes Jahr am Neujahrsfest inszeniert. Es beschreibt die Welt als ein urzeitlich göttliches Drama, in dem sich der Staatsgott Marduk als letztlicher Herrscher durchsetzt. Die Welt ist sein Lebensraum und der Mensch nur sein lächerlicher Diener, mit dem er umspringen kann wie er will.

Der biblische Schöpfungsbericht schreibt den Staatsmythos der Sieger um. In ihrer Gefangenschaft besinnen sie sich auf die Schöpferkraft des alleinigen Gottes. Die Welt entsteht nicht aus einem Drama, sondern sie folgt einem rationalen Plan. Sie ist auch nicht der Leib oder der Lebensraum der Götter, sondern ein von Gott geschaffener Lebensraum für alles Leben auf der Erde (und siehe es war sehr gut!). Und der Mensch ist kein sklavisches Wesen (aus den sterblichen Resten der Götter), sondern Gottes Gegenüber, sein Abbild und Stellvertreter, Herrscher über diese Welt und alles Leben darauf.

4. Schöpfung und Weltbild

4.1 Begriffe: zunächst ein paar Begriffe und was sie bedeuten (Dank an Valentin!)

Begriff Bedeutung
geozentrisch Die Erde steht im absoluten Zentrum. Die Sonne, der Mond und die anderen Planenten und Sterne kreisen um sie herum
transzendent alles was außerhalb eines Bereichs möglicher Erfahrungen liegt und nicht von ihm abhängig ist.
Epizykel Epizykel heißt aus dem griechischen übersetzt soviel wie „Kreis auf dem Kreis„ und damit sind die Bahnen der Planeten um die Erde im geozentrischen Weltbild gemeint
heliozentrisch Die Sonne ist das Zentrum des Universums, alle Planeten bewegen sich um die Sonne, auch die Erde. Die Sterne bewegen sich jedoch nicht.

4.2 Biblische Vorstellung: Die biblische Vorstellung trifft am besten dieser Begriff:

  1. Lob: JA, die Welt lebt unseren Schöpfer, vgl. Ps. 104. Sie zeugt von seiner Größe, vgl. Jes. 40
  2. Weltbild: NEIN, sie will kein Weltbild beschreiben, sondern nur die Größe Gottes. Das Weltbild ergibt sich aus dem Wissen seiner Zeit, man könnte auch unser heutiges nehmen.
  3. Ordnungen: JA, die Welt folgt den Ordnungen Gottes, vgl. Hiob 38,33.
  4. Sphären: NEIN, diese Vorstellung geht auf antike, griechische Vortsellungen zurück, die aber Anhaltspunkte in der Bibel finden, z.B. die Feste (=Firmament)
  5. Macht: JA, die Schöpfung zeugt von Gottes Schöpfermacht. Diese hat allerdings auch der Mensch vgl. Ps 8, der nur wenig geringer ist als Gott. Die Herrschermacht des Menschen besteht in seiner schöpferischen Kraft Dinge zu benennen, d.h. sie logisch in seinem Wissen zu ordnen! Die Bibel begründet letztlich ein wissenschaftliches Denken, das die Welt als Gegenüber sieht und nicht als göttliches (Entzauberung der Welt).
  6. Transzendenz: JA, Gott und die Schöpfung sind nach biblischem Verständnis getrennt. Gott ist nicht Teil der Schöpfung, sondern ihr Schöpfer. Es entspricht der biblischen Vorstellung von der Heiligkeit Gottes, dass dieser nicht mit der Welt identisch ist. Das begründet auch den qualitativen Unterschied zwischen Gott und Mensch, auch wenn dieser als Gottes Ebenbild - gemeint ist Abbild - bezeichnet wird.

4.3. Kirche und geozentrisches Weltbild: Drei Gründe

  1. Sie hielt das traditionelle Weltbild seit der Antike für das richige. Häufig wird Tradition mit Religion verwechselt! Die Belege aus der Bibel wurden nachträglich als Beweis dafür gesucht.
  2. Die Kirche lehrte selbst an ihren Hochschulen das ganze Mittelalter über die klassische antike Bildung, die sie mit dem Christentum harmonisierte. Erst ein freier Humanismus in der Renaissance konnte sich davon trennen und die Antike unabhängig von der biblischen Tradtion sehen.
  3. Das geozentrische Weltbild entsprach der natürlichen Wahrnehmung. Es fallen zu lassen brauchte gute Gründe. Kopernikus, Bruno und Galilei fehlten zunächst die Beweise für ihre Theorien.

5. Galileo Galilei - die Geburt der modernen Wissenschaft

5.1: Lebensdaten: Danke an Erik für die schöne Zusammenstellung! (Ich habe sie jetzt nicht überprüft)

Datum Ereignis
1564 Geburt Galileis in Pisa
1574-78 Novize im Kloster Santa Maria di Vallombrosa
1580-84 Medizinstudium in Pisa
1584-8? Mathestudium in Florenz
1589 Lehrstuhl für Mathe in Pisa
1592-1610 Lehrstuhl für Mathe in Padua
ab 1598 Beziehung mit Marina Gamba (3 Kinder)
1609-1610 Weiterentwicklung Teleskop
1610 Ernennung zum Hofmathematiker in Florenz
1610 Entdeckung der vier Jupitermonde
1611 Ernennung zum Mitglied der kirchlichen Academia dei Lincei
1616 Kirche erlässt Zensur der kopernikanischen Schriften
1630 Sein Werk “Dialogo” bringt ihn mit der Kirche in Konflikt
1633 Verhör der kirchlichen Inquisition in Rom
1633 Galilei wird wegen Ketzerei zu lebenslangem Hausarrest verurteilt
1638 Vollständige Erblindung
1642 Galilei stirbt am 8. Januar in Arcetri

5.2 Stimmen zum Prozess: Die Zusammenstellung der Statements zum Prozess von Galileo Galilei bilden wichtige Kriterien zur Beurteilung der Beziehung von Kirche und Wissenschaft. Auch hier erhaltet ihr ein Lösungsblatt aus meinen Unterrichtsmaterialien:

Das wichtigste in kurz:

  1. Brecht: der bekannte Autor der deutschen Linken sieht Galilei als Held der Wissenschaft, der sich der Macht der Kirche widersetzt, die mit Willkür die Wahrheit unterdrücken will wie autoritäre Staaten heute. Als Kommunist sieht Brecht Galilei als Vorbild des Widerstands gegen reaktionäre Mächte - und er teilt dabei den ungebrochenen Fortschrittsglauben des 'Dialektischen Materialismus'.
  2. Feyerabend: Der Wissenschaftstheoretiker und Philosoph hat Verständnis für das Urteil. Galilei hatte wie andere keine Beweise für seine Behauptungen. Er stütze seine Behauptungen auf vage Vermutungen. Die Kirche dagegen vertritt damals das wissenschaftliche Establishment, das hier nicht dogmatisch sondern sachlich argumentiert. Galilei wurde nur verboten Kopernikus zu erwähnen.
  3. Fries: Der römisch-katholische Theologe stellt ein vernichtendes Urteil zu seiner eigenen Kirche aus. Er hält den Prozess für ein Unglück und fordert eine klare Trennung von Glaube und Naturwissenschaft.
  4. Koestler: Der Schriftsteller hält den Prozess für eine Farce, die so nicht hätte stattfinden müssen. Die Schuld schiebt er der Eitelkeit Galileis zu, der seinen ehemaligen Studienfreund (jetzt Papst Urban VIII) persönlich beleidigt und als Einfallspinsel bezeichnete hatte. Die Kirche hatte seiner Meinung nach den Prozess vermeiden wollen, musste aber auf die persönliche Provokation Galileis reagieren - mit fatalen historischen Folgen.
  5. C.F. von Weizsäcker: der Atomphysiker und Bruder des ehemaligen Bundespräsidenten sieht Galilei einerseits als bahnbrechenden Wissenschaftler, andererseits als Fanatiker. Die Kirche musste auf ihn reagieren und ihn verdammen, weil er nicht beweisen konnte was er behauptete. Und die Entwicklung der modernen Wissenschaft (siehe Atombombe) zeigt, dass es wichtig ist, dass der Glaube als wichtiger Mahner gegen den technischen Fortschritt in Erscheinung tritt und die Wissenschaftler zur Verantwortung ermahnt (sagt der Naturwissenschaftler selbst!).

5.3 Entdeckungen Galileis

5.4 Wie lauten die drei bekannten Werke Galileis?

6. Methode der Wissenschaft

6.1 Schaubild: Das dargestellte Schema beschreibt das grundsätzliche Vorgehen der modernen Wissenschaft, die sich methodisch an die Wirklichkeit heran tastet, die uns ja (siehe Einheit 1) nicht ohne Täuschung und mögliche Irrtümer begegnen kann. Der ZWEIFEL ist Methode nach Descartes und gerade in der Wissenschaft angebracht. Die Unterscheidung von VERIFIKATION und FALSIFIKATION führt nach Karl Popper zu einigermassen sicheren Aussagen über die Wirklichkeit der Dinge. Die Existenz von Naturgesetzen ist dabei sicher eine Illusion. Moderne Wissenschaftler wissen seit Einstein von der RELATIVITÄT der Verhältnisse in Raum und Zeit und der UNSCHÄRFE (Heisenberg) in der Erscheinung der materiellen Dinge. Das Schaubild wird wie folgt beschriftet:

Beispiele (6.2) findet ihr auf eurer Lösungsseite von euren Mitschülern.

6.3 Experiment: Das Experiment ist integraler Bestandteil der wissenschaftlichen Methode. Es erbringt den Beweis der Richtigkeit einer Hypothese. Erst durch ein gelungenes Experiment kann eine Behauptung in der Wissenschaft als richtig gelten. Ein Experiment erfüllt bestenfalls folgende Bedingungen:

  1. es ist mathematisch berechenbar: der zu erwartende Wert ist bekannt oder wird experimetell ermittelt, z.B. die Geschwindigkeit des Lichts.
  2. es ist wiederholbar: z.B. die Geschwindigkeit des Lichts ist immer die gleiche, auf dem Mond und auf der Erde…
  3. es ist messbar: die Messung ist entscheidend und nicht immer einfach. Kann man Glauben z.B. messen?

6.4 Grenzen der Wissenschaft: Auch wenn die Methode der modernen Wissenschaft ausgesprochen erfolgreich war und in der modernen Technik ihre Triumphe fand, ist es wichtig auf die Grenzen der Wissenschaft hinzuweisen:

  1. subjektiver Bezug: sagen nichts über die Beziehung des Wissenschaftlers zu seinem Gegenstand aus (ich kann den Herzinfarkt erforschen, es ist aber etwas ganz anderes, wenn ich ihn selbst erleide)
  2. ethische Fragen: helfen uns bei ethischen Fragen nicht weiter. Wissenschaft ist ansich wertfrei. Was erlaubt oder verboten ist kann nur die Ethik aufgrund der Moral, der Philosophie, des Gesetzes oder der Religion beantworten.
  3. singuläre Ereignisse: Wissenschaft versagt bei der Erklärung von subjektiven und nicht wiederholbaren Ereignissen, z.B. Empfindungen von Schöheit, Gefühle von Hass, Nahtoderlebnissen oder meinen Erlebnissen.
  4. Sinn des Lebens: Wissenschaft erklärt nicht den Sinn des Lebens. Welche Dinge im Leben wirklich Sinn machen, kann ich nur selbst beantworten in einem oft mühsamen Prozess der Entscheidung. Wissenchaft kann hier eine Hilfe sein, aber nicht der Inhalt von Sinn.

Ich darf noch einmal auf folgendes wichtige Arbeitsblatt hinweisen: Methoden und Grenzen der Wissenschaft

6.5 Gibt es UFOs? Gehen wir dem Beispiel einmal entlang. (1) Zwar gibt es unzählige Berichte über die Sichtung von UFOS, zum Teil sogar aus glaubwürdiger Quelle von Militärs oder Wissenschaftlern. (2) Daraus ergibt sich induktiv das (3) Bild einer heimlichen ausserirdischen Macht, die uns mit kreisrunden Raumschiffen besucht und beobachtet, nicht aber in irdische Verhältnisse eingreift. Die Unwissenheit bestärkt jedoch auch Verschwörungstheorien, als ob das Militär die Kenntnisse vertuschen möchte oder wir längst von Ausserirdischen unterwandert wären. (5) Letztendlich fehlt dafür jeglicher Beweis (6) und die Theorie einer ausserirdischen Invasion muss letztendlich FALSIFIZIERT werden; sprich wir müssen noch einmal von vorne anfangen (1) und noch mehr Daten sammeln. Unmöglich ist die Hypothese jedoch nicht. Doch seltsam ist, dass man auch nach jahrelanger Suche noch nie Signale anderer Kulturen im Weltraum finden konnte obwohl mit hohem technischen Aufwand danach gesucht wird…