Das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft ist ein langer wechselseitiger Prozess, der sich über viele Jahrhunderte hinzieht. Während der Glaube vor allem darauf abzielt, die Welt als ganzes zu sehen richtet die Naturwissenschaft ihren Blick auf einzelne Prozesse, die erst langsam, nach und nach ein Bild des ganzen ergeben. Dabei bedingen sich beide gegenseitig. Die Betrachtung der Welt als etwas Geschöpfliches ist aus der jüdisch-christlichen Weltsicht der Bibel entstanden. Gleichzeit verändert das genaue Hinschauen auf die Geheimnisse dieser Welt die Art und Weise wie wir die Welt sehen. Weltbilder wandeln sich stets und der Übergang von einem zum anderen läuft nicht immer ohne Konflikte ab. Letztlich verändern neue Erkenntnisse auch die Art zu Glauben, was wieder einen neuen Blick auf das Ganze ermöglicht.
Bitte bearbeitet dazu die folgenden Fragen auf dem beigefügten Arbeitsblatt und schickt dieses bitte ausgefüllt per Mail zurück an mich.
Hier findet ihr nun ein paar Auflösungen zu den Aufgaben und Fragen der vergangenen Einheiten.
BITTE LEST DIESE AUFLÖSUNGEN NUR, WENN IHR DIE AUFGABEN SCHON BEARBEITET HABT!
1. Glauben und Wissen
1.1 Die Wortfelder: Glauben und Wissen scheinen zwei unterschiedliche Grundhaltungen zu bezeichnen. Wissen hängt mit GEWISSHEIT zusammen, Glauben eher mit einer gewissen Unsicherheit; deshalb gehört der Zweifel immer zum Glauben, der seine Grundhaltung aber aus dem VERTRAUEN gewinnt. Beide Felder überschneiden sich aber im Bereich der Gefühle und Überzeugungen.
1.2 Dreieck: Ist das nun ein Dreieck oder nicht? Nein, es sieht nur so aus, es sind angeschnittene Punkte und Linien in Winkeln angeordnet. Aus den genannten Elementen bildet ERST UNSER GEHIRN Dreiecke. Es ist gewohnt aus minimalen Informationen (z.B. nachts, wenn wir kaum etwas sehen) ganze Bilder zu machen. Wahrscheinlich sind alle Bilder und Eindrücke, die uns als sicheres Wissen gelten, nur SYNTHETISCHE Bilder, also im Gehirn zusammen gesetzte. Ob unsere Welt wirklich so ist, können wir daher bezweifeln.
1.3 Fleck: Das Bild stammt aus einem Buch des deutschen Gehirnforschers Hüther. Es könnte eine Frau im Kleid, einen Wasserfall, eine Stichflamme oder gar zwei Gesichter gegenüber darstellen (Danke Ann-Kristin!). Doch in Wirklichkeit ist es ein Möwenschiss auf dem Asphalt. Das ist alles. Wir sehen, wie unser Gehirn aus der wirren Anordnung von hellen und dunklen Stellen ein plastisches Bild zu bilden versucht. Jeder sieht dabei etwas anderes. Aber das wirkliche Bild sehen wir erst, wenn wir WISSEN was es ist.
1.4 Kuh: Auch bei diesem Bild sehen wir alles mögliche. Am Ende ist es eine Kuh, die uns anschaut. Wenn wir die Kuh einmal erkannt haben, sehen wir nichts mehr anderes. Wir sehen nur was wir Wissen.
1.5 Optische Täuschungen: hier eine Vielzahl von Beispielen, die uns deutlich zeigen: unsere Sinne können uns leicht täuschen. Ich glaube nur was ich SEHE ist kein guter Ratgeber. In manchen Fällen kann man sogar zwei Dinge gleichzeitig sehen im Bild (junge Frau - alte Frau, Eskimo oder Indianer). Interessant: die einen sehen dies zuerst, die anderen das andere.
1.6. Konstruktivismus: Wie unser Gehirn zu Bildern kommt beschreibt der Konstrutivismus. Da habe ich noch ein Arbeitsblatt dazu:
2. Weltbilder
2.1 Weltbilder in der Geschichte: Weltbilder wandeln sich in der Geschichte mit sich verändernden Erkenntnissen. Letztlich wird es nie ein festes Weltbild geben. Auch das Weltbild der Bibel ist zeitlich bedingt durch das altorientalische Weltbild. Etwas ganz anderes ist jedoch die Kennzeichnung der Welt als Schöpfung Gottes. Doch dazu kommen wir noch später. Die richtige Zuordnung der Bilder lautet: Bild 1 - Das Weltbild der Griechen; Bild 2 - Das Weltbild im Mittelalter; Bild 3 - Das Weltbild im 16. und 17. Jahrhundert; Bild 4 - Das altorientalische Weltbild; Bild 5 - Das Weltbild des Alten Ägypten und des Alten Orient (Dank an Erik Deuschle)
2.2. Altorientalisches Weltbild: Diese Sicht der Welt entspricht ganz dem, was wir als Menschen wahrnehmen und einfach nur glauben, was wir sehen! Die Erde ist ein flaches Rund (so sehen wir das von einem Berg), der Himmel wölbt sich wie ein Zelt darüber (das sogenannte Firmament), die Scheibe ist begrenzt durch das Meer (wir kommen immer dahin) und die Sonne zieht über das Firmament und dreht sich um unsere Welt (was macht sie eigentlich Nachts? Die Ägypter meinten, sie ziehe auf einem Sonnenschiff über den dunklen Ozean der Nacht). Diese Sicht ist nicht so einfach zu widerlegen. Deshalb hat es sich auch so lange gehalten. Hier ein paar klassische Punkte, es zu verändern:
Es brauchte jedoch viele einzelne Beobachtungen, um das was jeder sieht durch etwas anderes abzulösen, was wir dann erst sehen, wenn wir dies wissen. Heute lernen Kinder dies schon zu sehen, obwohl wir es nicht immer sehen…
2.3 Flat Earth: Eure Briefe haben mich sehr amüsiert. Danke! Aber es ist ernst. Die Reise durch die Dimensionen ist ein spannendes Thema. Ein Klassiker dafür ist die satyrische Betrachtung „Flatland“ von Edwin Abbott Abbott, die dem einseitigen viktorianischen Denken ein vielseitiges mehrdimensionales Denken gegenüber hält.
3. Biblischer Schöpfungsbericht
3.1 Sieben-Tage-Schema:
| Tag | Was entsteht hier? | Was erfüllt den Raum? | Tag |
|---|---|---|---|
| 1. Tag | Licht/ Hell und dunkel | Tag & Nacht, Sonne Mond & Sterne | 4. Tag |
| 2. Tag | Himmel/ Oben und unten / Feste zwischen dem Wasser | Tiere im Wasser und in der Luft | 5. Tag |
| 3. Tag | Erde / Flüssiges und Festes / Land und Pflanzen | Landtiere & Mensch | 6. Tag |
| 7. Tag | Ruhetag |
Wir sehen: der Bericht aus Gen1 entfaltet Schritt für Schritt das altorientalische Weltbild. Gott schafft den Lebensraum (1-3) und das Leben darin (4-6) allein durch sein ordnendes Wort. Dieses trennt dann die Chaoselemente (Dunkelheit, Wasser, Ozean) und ordnet sie an. Die sieben Tage erinnern an die sieben Tage unserer Woche. Die Schöpfung wiederholt sich so jeden Tag (creatio continua) in unserem schöpferischen Handeln.
3.2 Enuma Elish: Der Bericht aus Gen1 entstand höchstwahrscheinlich im babylonischen Exil. Der alte Schöpfungsmythos Enuma Elish aus dem Gilgamesch-Epos wurde dort feierlich jedes Jahr am Neujahrsfest inszeniert. Es beschreibt die Welt als ein urzeitlich göttliches Drama, in dem sich der Staatsgott Marduk als letztlicher Herrscher durchsetzt. Die Welt ist sein Lebensraum und der Mensch nur sein lächerlicher Diener, mit dem er umspringen kann wie er will.
Der biblische Schöpfungsbericht schreibt den Staatsmythos der Sieger um. In ihrer Gefangenschaft besinnen sie sich auf die Schöpferkraft des alleinigen Gottes. Die Welt entsteht nicht aus einem Drama, sondern sie folgt einem rationalen Plan. Sie ist auch nicht der Leib oder der Lebensraum der Götter, sondern ein von Gott geschaffener Lebensraum für alles Leben auf der Erde (und siehe es war sehr gut!). Und der Mensch ist kein sklavisches Wesen (aus den sterblichen Resten der Götter), sondern Gottes Gegenüber, sein Abbild und Stellvertreter, Herrscher über diese Welt und alles Leben darauf.
4. Schöpfung und Weltbild
4.1 Begriffe: zunächst ein paar Begriffe und was sie bedeuten (Dank an Valentin!)
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| geozentrisch | Die Erde steht im absoluten Zentrum. Die Sonne, der Mond und die anderen Planenten und Sterne kreisen um sie herum |
| transzendent | alles was außerhalb eines Bereichs möglicher Erfahrungen liegt und nicht von ihm abhängig ist. |
| Epizykel | Epizykel heißt aus dem griechischen übersetzt soviel wie „Kreis auf dem Kreis„ und damit sind die Bahnen der Planeten um die Erde im geozentrischen Weltbild gemeint |
| heliozentrisch | Die Sonne ist das Zentrum des Universums, alle Planeten bewegen sich um die Sonne, auch die Erde. Die Sterne bewegen sich jedoch nicht. |
4.2 Biblische Vorstellung: Die biblische Vorstellung trifft am besten dieser Begriff:
4.3. Kirche und geozentrisches Weltbild: Drei Gründe
5. Galileo Galilei - die Geburt der modernen Wissenschaft
5.1: Lebensdaten: Danke an Erik für die schöne Zusammenstellung! (Ich habe sie jetzt nicht überprüft)
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 1564 | Geburt Galileis in Pisa |
| 1574-78 | Novize im Kloster Santa Maria di Vallombrosa |
| 1580-84 | Medizinstudium in Pisa |
| 1584-8? | Mathestudium in Florenz |
| 1589 | Lehrstuhl für Mathe in Pisa |
| 1592-1610 | Lehrstuhl für Mathe in Padua |
| ab 1598 | Beziehung mit Marina Gamba (3 Kinder) |
| 1609-1610 | Weiterentwicklung Teleskop |
| 1610 | Ernennung zum Hofmathematiker in Florenz |
| 1610 | Entdeckung der vier Jupitermonde |
| 1611 | Ernennung zum Mitglied der kirchlichen Academia dei Lincei |
| 1616 | Kirche erlässt Zensur der kopernikanischen Schriften |
| 1630 | Sein Werk “Dialogo” bringt ihn mit der Kirche in Konflikt |
| 1633 | Verhör der kirchlichen Inquisition in Rom |
| 1633 | Galilei wird wegen Ketzerei zu lebenslangem Hausarrest verurteilt |
| 1638 | Vollständige Erblindung |
| 1642 | Galilei stirbt am 8. Januar in Arcetri |
5.2 Stimmen zum Prozess: Die Zusammenstellung der Statements zum Prozess von Galileo Galilei bilden wichtige Kriterien zur Beurteilung der Beziehung von Kirche und Wissenschaft. Auch hier erhaltet ihr ein Lösungsblatt aus meinen Unterrichtsmaterialien:
Das wichtigste in kurz:
5.3 Entdeckungen Galileis
5.4 Wie lauten die drei bekannten Werke Galileis?
6. Methode der Wissenschaft
6.1 Schaubild: Das dargestellte Schema beschreibt das grundsätzliche Vorgehen der modernen Wissenschaft, die sich methodisch an die Wirklichkeit heran tastet, die uns ja (siehe Einheit 1) nicht ohne Täuschung und mögliche Irrtümer begegnen kann. Der ZWEIFEL ist Methode nach Descartes und gerade in der Wissenschaft angebracht. Die Unterscheidung von VERIFIKATION und FALSIFIKATION führt nach Karl Popper zu einigermassen sicheren Aussagen über die Wirklichkeit der Dinge. Die Existenz von Naturgesetzen ist dabei sicher eine Illusion. Moderne Wissenschaftler wissen seit Einstein von der RELATIVITÄT der Verhältnisse in Raum und Zeit und der UNSCHÄRFE (Heisenberg) in der Erscheinung der materiellen Dinge. Das Schaubild wird wie folgt beschriftet:
Beispiele (6.2) findet ihr auf eurer Lösungsseite von euren Mitschülern.
6.3 Experiment: Das Experiment ist integraler Bestandteil der wissenschaftlichen Methode. Es erbringt den Beweis der Richtigkeit einer Hypothese. Erst durch ein gelungenes Experiment kann eine Behauptung in der Wissenschaft als richtig gelten. Ein Experiment erfüllt bestenfalls folgende Bedingungen:
6.4 Grenzen der Wissenschaft: Auch wenn die Methode der modernen Wissenschaft ausgesprochen erfolgreich war und in der modernen Technik ihre Triumphe fand, ist es wichtig auf die Grenzen der Wissenschaft hinzuweisen:
Ich darf noch einmal auf folgendes wichtige Arbeitsblatt hinweisen: Methoden und Grenzen der Wissenschaft
6.5 Gibt es UFOs? Gehen wir dem Beispiel einmal entlang. (1) Zwar gibt es unzählige Berichte über die Sichtung von UFOS, zum Teil sogar aus glaubwürdiger Quelle von Militärs oder Wissenschaftlern. (2) Daraus ergibt sich induktiv das (3) Bild einer heimlichen ausserirdischen Macht, die uns mit kreisrunden Raumschiffen besucht und beobachtet, nicht aber in irdische Verhältnisse eingreift. Die Unwissenheit bestärkt jedoch auch Verschwörungstheorien, als ob das Militär die Kenntnisse vertuschen möchte oder wir längst von Ausserirdischen unterwandert wären. (5) Letztendlich fehlt dafür jeglicher Beweis (6) und die Theorie einer ausserirdischen Invasion muss letztendlich FALSIFIZIERT werden; sprich wir müssen noch einmal von vorne anfangen (1) und noch mehr Daten sammeln. Unmöglich ist die Hypothese jedoch nicht. Doch seltsam ist, dass man auch nach jahrelanger Suche noch nie Signale anderer Kulturen im Weltraum finden konnte obwohl mit hohem technischen Aufwand danach gesucht wird…