Schon dem aufmerksamen Beobachter fällt beim Betrachten der Pflanzen- und Tierwelt auf, welche unglaubliche Vielfalt der Arten es auf unserem Planeten gibt. Leben gibt es praktisch überall, selbst im Eis der Antarktis, der trockensten Wüste wie z.B. in Namibia oder im Krater von Vulkanen. Und eine weitere Beoachtung kann man schnell machen: Viele Arten sind sich sehr ähnlich, ja scheinen irgendwie miteinander verwandt zu sein, obwohl sie sich nicht paaren können. Eine naheliegende Annahme (=Hypothese durch Induktion) ist nun, dass die Arten voneinander abstammen, ja sich zu immer höheren und koplexeren Pflanzen und Tieren weiterentwickelt haben. Ja letztlich ist auch der Mensch nur das Ende einer langen Entwicklungsreihe und auch er zeigt Artverwandte in der Reihe der sogenannten Primaten, höhere Affenarten, die daher auch Menschenaffen genannt werden.
Diese Beobachtung teilte auch Charles Darwin (1809-1882), der 1831 mit seinem Forschungsschiff HMS Beagle einmal um die Welt fuhr, und auch bei fremden Tier- und Pflanzenwelten immer wieder das gleiche Muster erkannte. 1859 veröffentlichte er in seinem bahnbrechenden Buch „On the Origin of Species“ (Über die Entstehung der Arten) seine EVOLUTIONSTHEORIE:
Alle Lebewesen dieser Erde haben sich in einer langen Kette der Entwicklung (=Evolution) von niederen zu höheren Gattungen entwickelt.
Motor dieser Entwicklung ist die Anpassung an den Lebensraum durch Variation und natürliche Selektion (Auswahl)
Hervorgerufen wird die Anpassung durch die plötzliche Veränderungen des Erbgutes, Mutation genannt.
Positive Veränderungen setzen sich durch, negative Entwicklungen werden durch den Kampf ums Überleben (struggle for survival) aussortiert.
Nur die fittesten Tiere und Pflanzen überleben (survival of the fittest) und setzen sich in der Evolution durch.
Darwin Theorie rief schon zu seinen Lebenszeiten heftige Kritik hervor. Besonders sein Spätwerk von 1871 'Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl' (The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex) sorgte für Aufsehen: Der Mensch, der vom Affen abstammt und daher ein affenartiges Tier sein soll - das passte nicht in die kultivierte viktorianische Welt. Viele Fragen ließ Darwins Evolutionstheorie offen, aber spätere Forschungen bestätigten immer wieder seine Annahmen, die oft nur auch Beaobachtungen in der Natur beruhten.
Gibt es Beweise für die von der Natur ausselektierten Tierarten, wo sind sie geblieben? Als Beweis dafür gelten heute Fossilien (Versteinerungen) früherer Tierarten (wie z.B. die Saurier) und manche ganz seltenen Tierarten die trotz der Selektion überlebt haben (lebende Fossilien genannt) wie das Schnabeltier (Säugetier das Eier legt), der Nautilus (heute noch lebende Ammonitenart) oder der Ginkobaum (seine Blätter bilden sich aus zusammengewachsenen Nadeln).
Wo sind die Reste der Tiere im Übergang von einer Art zur anderen? Das ist schon schwieriger zu beantworten, denn der Übergang von einer Art zur anderen geht oft sehr schnell: wie etwa wurden aus Fischen die ersten Landttiere? In der Tat ist das eine der großen Schwachpunkte der Evolutionstheorie. Gerne wird hier der Quastenflosser genannt, ein Fisch mit einer Art Lunge und beinartigen Flossen. Bekannt ist auch der Archeopteryx, ein Saurier mit Federn und Flügeln, der aussieht wie ein Vogel.
Wie konnte in so kurzer Zeit eine solche Fülle an Arten nur durch Mutation und Selektion entstehen? Auch eine der Fragen, die noch nicht ganz geklärt sind. Zu Darwins Zeiten glaubte man noch an eine ganz kurze Zeit seit der Schöpfung, allenfalls wenige tausend Jahre. Die moderne Geologie half den Biologen aus der Patsche. Sie entstand etwa zur selben Zeit und konnte nachweisen, dass die Entwicklung der Erde einen Zeitraum über viele Millionen von Jahre ausmachte. Fossile Funde konnten so zeitlich bestimmten geologischen Schichten zugeordnet werden.
Wie können allein durch Mutationen so hervorragende Dinge wie Federn, Augen, Blüten usw. entstehen? Viele Mutationen sind eher Fehler im System und schädigen das einzelne Lebewesen. Überhaupt können nur ganz wenige Mutationen als Vorteil für das Lebewesen gelten. Durch die natürliche Zuchtwahl passen sich Lebewesen laut Darwin gezielt an neue Umweltverhältnisse an (bekanntes Beispiel: die Birkenfalter - weiße Schmetterlinge - passten sich perfekt an ihre Nahrungspflanze an: die Birke. In der Industriellen Revolution wurden nun alle Birken durch Abgase schwarz mit der Folge, dass sie sich vor den Vögeln als Beute nicht mehr verstecken konnten und gefressen wurden. Übrig blieben allein die Falter mit einer kleinen Mutation ihrer Farbpigmente. Durch einen Fehler waren sie schwarz wie die verkohlten Rinden der Birken in der Nähe der Fabrikschlote. Nach kurzer Zeit gab es nur noch schwarze Birkenfalter).
Doch wie kommt es zu solchen Mutationen und erklären diese wirklich die Entwicklung von einfachen zu immer komplexeren Lebensformen? Die gängige Antwort auf diese Frage ist der ZUFALL kombiniert mit dem Faktor ZEIT: wenn die Evolution nun nur lange genug Zeit hat, dann können zufällig entstandene Mutationen durch SELEKTION und VARIATION zu neuen Arten führen. Und die geschätzten vier Milliarden Jahre der Erdgeschichte dürften dafür wohl ausreichen, oder nicht?